20. Internationales Hallenhockey-Turnier beim 1. Hanauer THC, 11./12. Nov. 2000

Vergessen Sie Golf, Polo, Power-Boat-Offshore-Racing und erst recht die Formel 1! Hockey ist die exklusivste Sportart des Universums. Zumindest galt dies für das 20. Hallenhockey-Jubiläums-Turnier des 1. Hanauer THC. Oder kennen Sie ein Sportereignis, bei dem sich Mannschaften aus ganz Europa um einen Platz im Teilnehmerfeld reißen, um dann an einem Tag, noch dazu einem Sonntag, ein einziges Spiel mit ganzen zehn Minuten (brutto) zu spielen?

22 (!) Mannschaften trafen sich in Hanau zum 20. Hallenturnier, darunter so bekannte Namen wie UHC Hamburg „Feldlerchen“, Hannover „Rennmäuse“, HG Nürnberg „Deubumi“ bei den Seniorinnen und Villafranca, SV Hellas Nauen, All Stars „Die Looser“ (nomem est omen), HC Olten und natürlich die Global Hockey Travellers mit einer Veteranen- und einer Seniorinnen-Mannschaft. Die Team-Manager Elke und „Bio“ Zahn hatten wieder eine ganz exklusive Mannschaft berufen:

  • Dagmar Friedrich-Tietz, Elke Zahn (HC Bad Homburg), die „Sister Acts“ Jutta und Sabine (Fürth) sowie Anneliese und Hermine (Frankental) – Bitte? Wie die Williams Sisters Venus und Serena? Besser! – und Conny, Hanne, Ricki (Fürth)
  • Heinz Dahn, Andreas Harz (passiv HCH), Hennes Jednat, Friedrich Korf (ex HCH), Hinrich Krack, Matthias Marsch, Hajo Radny, Wilhelm Rousselet, Kay Urban, Rolf Zahn (alle HC Bad Homburg)

Sie fragen sich, ist das der? Sie lesen richtig, genau der ist das! Spielt der wieder? Ja, der spielt wieder links! Und jeder intime Kenner des HCH-Veteranen-Hockey weiß, wer der ist.

Wegen der großen Anzahl von Mannschaften, war die Spielzeit der Gruppenspiele in der Vorrunde am Samstag schon auf 15 Minuten limitiert. Dennoch gab es viele torreiche Begegnungen.

Und es war Hansis Tag!

Pardon! Hans Günter Jednats Tag, heute bekannt unter dem Pseudonym „Hennes“. Allerdings wird er seinen Namen aus Kindertagen bei all denen nicht los, die schon an seiner Windel gerochen haben. Es war schon beeindruckend, wie er, getragen von einer hervorragend aufspielenden Mannschaft, ein ums andere Mal den gegnerischen Torwart überlistete: Nach einem Solo an der linken Bande ein Backhand-Heber vom Feinsten über den herausstürmenden Goalie, ein, im Handball würde man sagen, Seitfallwurf aus spitzem, rechten Winkel am Torwart vorbei.

Aber auch die anderen Torschützen sollen nicht vergessen sein: Heinz und Bio aus linker Position nach gelungenen Kombinationen aus der Abwehr und dem Mittelfeld, Andreas und Wilhelm als Strafstoß-Schützen. Hajo wäre auch beinahe ein Tor gelungen, aber es fehlten ihm einige Zentimeterchen zur Anerkennung (außerhalb des Schußkreises), wie er durch Spreizen von Daumen und Zeigefinger andeutete (lernt er jetzt schon bei Hinrich das Anglerlatein?). Außerdem es war die verkehrte Mannschaft, nämlich die „Looser“, bei der er spielte. Und was ist über die Abwehr zu sagen? Sie hielt dicht, zumindest so dicht, daß wir nach zwei Siegen und einer Niederlage am Sonntag im „Kleinen Endspiel“ mit den besagten zehn Spielminuten um den 3. Platz standen und gegen HC Olten aus der Schweiz mit 3:1 gewannen. Leider ging das erste Spiel gegen Villafranca, den späteren Turniersieger mit 1:2 verloren, dafür gewannen wir gegen Hellas mit 4:3 und gegen die All Stars mit 5:2 Toren.

Leider lief es bei den Mädels (sorry, Seniorinnen!) nicht so gut. Gegen „Deubumi“ (Kürzel für „Deutschlands bunte Mischung“) hielt sich die Niederlage mit 0:1 noch in Grenzen, gegen die „Rennmäuse“ steigerten sie sich zum 0:3, um sich dann von den „Feldlerchen“ ein 1:6 einzwitschern zu lassen. Das bedeutete dann die „Goldene Zitrone“! An der Torwartin kann es nicht gelegen haben, denn Elke ist mit den Jahren jünger geworden, nicht mehr Mitte Dreißig, nein genau 30, wie ihr Trikot von Jucca Tammi auswies.

Was gab es sonst noch? Christa Herzberger beobachtete im Auftrag des Deutschen Hockey Bundes die Spiele. Am Samstag und Sonntag, den klassischen Familienvatertagen, wuselten die Jednatschen und Tietzschen Bengel durch die Halle. Und über die Festivitäten wird vielleicht der „Bio“ noch berichten.

Das war’s von Matthias Marsch

P.S.: Beinahe mußte im Veteranen-Training die Halle wegen Überfüllung geschlossen werden (eine Damen- und zwei Herrenmannschaften à fünf Spieler plus Auswechselspieler).

The LMHA 50th Anniversary „Golden Festival“, Loughborough University, 5th/6th September 1998

Mitte Juli richteten die Team-Manager der Global Hockey Travellers, Elke und „Bio“ Zahn, eine Eilanfrage an die Alten Herren des HC Bad Homburg, wer Interesse daran hätte, einer Einladung von Cathy Tate zum „Golden Festival“ der Leicestershire Mixed Hockey Association nach England zu folgen. Cathy Tate ist die „secretary of team“ der „Bedouins“ und Mitorganisatorin des Celebration Festivals, die mit einigen Mitspielern der LMHA schon in unserer Mannschaft beim Krähen-Turnier in München gespielt hat. Lust hatten viele, Zeit schon weniger und so flog dann eine kleine Truppe von German/Innen über den Ärmelkanal nach Birmingham, um gegen die Normannen, Angeln und Sachsen zu kämpfen.

Nach und nach trafen am Donnerstag (in der Reihenfolge ihres Auftretens) Elke und „Bio“ Zahn, Jutta und Sabine aus Fürth, Heinz Dehn und Matthias Marsch, Dagmar und Emilia KD (Köln-Düsseldorfer) sowie als letzter Rienus aus Holland in Cathys und Pauls Whateley Farmhouse in Staffordshire ein. Bei herrlichem Spätsommerwetter tranken wir im Garten unsere erste Tasse Tee; Ferdy, der Hahn, gesellte sich zu uns und pickte die Krümel auf, und hinter dem Stall schnatterte eine Herde Gänse. Die Gebäude von Whateley Farmhouse stammen aus dem 16. Jahrhundert, die Deckenbalken von Schiffen der geschlagenen spanischen Armada, die gerade von unseren Gastgebern liebevoll restauriert werden.

Am Freitagmorgen begleiteten wir Cathy zu ihrem Hospital in Dudley, um das gegenüberliegende „Dark County Museum“ zu besichtigen. Dieses „Living Museum“ ist so eine Art „Hessenpark“, allerdings mit den für das englische Kohlenrevier typischen Industriebauten. Neben den vielen kleinen Backsteinhäusern und –geschäften, in denen die „Bewohner“ in typischen Kleidern des beginnenden Industriezeitalters den Besuchern Dinge des damaligen Lebens demonstrierten, gab es auch ein Kohlebergwerk zu besichtigen. Hier konnte man die Lebens- und Arbeitsbedingungen der englischen Coalminer des vorletzten Jahrhunderts hautnah erleben.

Campus der Loughborough University

Am Abend zogen wir dann um auf den Campus der Loughborough University, eine in England sehr bekannte Sport-Universität (Sebastian Coe, der 800-m-Läufer, trainiert hier) in das Studentenwohnheim, wo dann auch Anja Miguel und Andreas Harz zu uns stießen. Erinnerungen an meine Studentenzeit in Darmstadt und Berlin wurden wach, 8 m2 Fläche, ein Bett, ein Einbauschrank und ein Schreibtisch sowie eine Dusche und Toilette für acht Wohneinheiten im Treppenhaus.

„You know how to skittle?“ Diese Frage unseres Gastgebers beim gemütlichen „Get together“ musste mit einem eindeutigen „No, Sir!“ beantwortet werden. Skittle ist die keltische Variante unseres Kegelns. Nur dass hier die Kegel-„Pins“ mindestens doppelt so groß sind, zum Werfen statt einer Kugel ein hölzernes Rugby-Ei benutzt wird, und dieses Stück Baumstamm muss auch noch einmal auf dem Boden aufspringen, bevor es einen Pin treffen darf. Als der Autor beim Probewerfen im ersten Wurf gleich vier Pins und im zweiten dreiPins abräumte, wurde er als bester Ausländer und pick number 2 von „Big John“ gedraftet. (Fragen Sie Ihren Nachwuchs, der kennt sicher die Regeln der NBA). Pünktlich um 10.45 pm wurde zur „last order“ geläutet und danach das letzte Pint Lager, Bitter oder Ale geleert.

Der Samstag und erste Spieltag brachte uns endlich das, was wir bisher in England nach unserem Sommer so schmerzlich vermisst hatten: Regen! But the games must go on. Das Motto der Spiele lautete: Six per Sex per day.

Damit war nicht die Umsetzung von Martin Luthers Maxime „In der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr!“ in das Viagra-Zeitalter gemeint, sondern die Zahl der matches per day. Jede Mannschaft spielte in drei „competitions“, nämlich

  • Mixed 11-a-side (5 men, 5 ladies, Goalie either sex)
  • Ladies 7-a-side (Goalie can be either sex)
  • Men´s (Blokes) 7-a-side (Goalie can be either sex)

Das Festival Summary gibt dazu noch folgendes an: “For each competition there will probably be around 3 matches per day (so 6 per sex per day)”. Bei einer Spielzeit von 25 min für 7-a-side und 35 min für 11-a-side ergibt das insgesamt 180 min gleich drei Stunden pro Tag. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken! Als wir auf Pitch 6, einem traumhaften Kricket-Rasenplatz, zu unserem ersten Blokes 7-a-side Match gegen Leicester antragen, lernten wir noch eine weitere der „match rules” kenn, Zitat: „For new players – yes, it is played on the full pitch.“ „Hand aufs Herz, haben Sie schon einmal auf dem großen Feld mit sechs Feldspielern gegen Mittdreißiger 25 min lang gespielt?“

Ehrlicherweise müssen wir gestehen, dass wir immer etwas „late” auf dem Platz waren und auch die Begrüßungszeremonie mit der Übergabe einer Flasche Bocksbeutel (What´s that?) ausdehnten. Nur unserem ausgeliehenen englischen Goalie – männlich, Mitte zwanzig, 1,90 m und regenfest – hatten wir es zu verdanken, dass wir kein Debakel erlitten, sondern nur 3:0 verloren. Unser Standard-Goalie Elke Zahn – weiblich, Mitte dreißig (Damen ihres Alters sind immer Mitte dreißig), 1,60 m und auch regenfest – hatte sich geweigert, bei den Men´s matches (goalies either sex hin oder her) ins Tor zu gehen, als sie mitbekam, wie die englischen Jungs beim Torschuss abziehen. Mit neuer Taktik –weniger laufen und mehr zuspielen – haben wir dann die Herren-Spiele gegen Market Harborough, Hermitage, Aardvarks und Druck mehr oder weniger erfolgreich gestalten können. Die Ladies 7-a-side hatten leider Pech, dass es zu ihren Spielen am Samstag ganz besonders stark regnete. Daher fehlen dem Chronisten die Ergebnisse. Er zog sich nämlich, so oft es möglich war, ab 11.00 am in Herbie´s Bar at the Students Union Building zurück (nicht nur er!).

Global Hockey Travellers 1998 in Leicestershire

Die Mixed 11-a-side matches waren die Höhepunkte des Festivals. Mit Unterstützung unserer englischen Freunde, Cathy, Jann und Pete konnten wir mit den anderen Mannschaften aus Loughborough, Stoke Golding, West Park, Syston usw. nicht nur gut mithalten, sondern auch das eine oder andere Spiel gewinnen. Ein Spiel, nämlich das letzte gegen unsere Gastgeber, die „Bedouins“, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es begann damit, dass sich die Mannschaften in keltischer Schlachtordnung als wilder Haufen im Tor versammelten, mit den Stöcken auf den Alupfosten einen Höllenlärm machten und ein Goalie-Wettrennen zum Anstoßpunkt startete. Als der Umpire das Handicap unseres Goalie Elke – ihre Beinlänge – bemerkte, kickte er die Kugel in ihre Richtung und verschaffte ihr so den kleinen Vorteil, der zum Sieg reichte. Und es endete damit, dass wir als beste, weil einzige, ausländische Mannschaft von Colin Roberts, General Secretary LMHA, ausgezeichnet wurden. Der Captain des GHt-Teams, „Bio“, und der ad hoc ernannte team-secretary, Andreas Harz, dankten in einer wohlgesetzten Rede, die auch dem Speaker im House of Lords gut angestanden hätte.

Zum Schluss möchte ich noch einmal aus den „Festival Rules“ zitieren:

The overall team score will be added to or deducted from with factors such as „sportsmanship“, „co-operation“, „willingness to provide umpires“ and any other „whatever we feel like on the day” factors. Although this may annoy some purists, this is a festival, not a serious competition.

Matthias Marsch

P.S.: Es gäbe noch so vieles zu berichten, über das gute Essen (in England?) beim Inder (ach so, deshalb!), über die Lagers, Bitters and Ales, über die Highland-, Lowland- and Islay-Single-Malt-Whiskies, über die Castles and Towers, über die Dungeons and Dragons and, and, and …! Das alles könnt Ihr live erleben – jeden Donnerstag im oder nach dem Training der AH!