„Patrona Bavariae“ – Wiesn-Turnier beim ASV München, 24.-26. September 2010

Mit der Bezeichnung Patrona Bavariae wird die Gottesmutter Maria als Schutzheilige Bayerns verehrt. Irgendwie muß sie es auch gut mit uns gemeint haben, denn die Exkursion der besten Senioren-Mannschaft im Taunus in die bayerische Landeshauptschaft stand heuer in jeder Hinsicht unter einem guten Stern – sieht man einmal vom Wetter ab. Also vielleicht eher „Patrona Hassiae”.

Freitag morgen um halb acht zu fünft einen VW Touran zu besteigen, ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber wen es nachmittags auf die Wiesn zieht, der muß eine gewisse Leidensfähigkeit beweisen. Nachdem dies geschehen war, konnten wir (Helen, Christian H., Hennes, Jopi, Martin und Nicolai) in Ismaning erst einmal den ersten Krustenbraten zu uns nehmen – als Grundlage vor dem Gang ins große Zelt unbedingt zu empfehlen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits mit Lederhose (na ja, bis auf Hennes) und Clubjacke ausstaffiert. Zugegeben: In dieser Kombination haben wir sicher keine Chance, in den Bayerischen Trachtenverband aufgenommen zu werden. Dafür war für ein entsprechend auffallendes Äußeres gesorgt.

Senioren des Hockey-Club Bad Homburg auf dem Weg zur Wiesn, September 2010
Wer fällt denn hier wohl aus der Rolle: Der HCH auf dem Weg zur Wiesn

Vom ASV aus ging es zur Wiesn – in ca. 40 min. Das sei hier erwähnt, denn einige versprengte Teile von uns brauchten für den Rückweg zweieinhalb Stunden. Zwischenzeitlich fanden sie sich auf dem Bahnsteig im verlassenen Englschalking wieder. Nun, das ist vielleicht einer gewissen nächtlichen Desorientierung nach der Wiesn geschuldet. Apropos Wiesn: Auch dieses Jahr wieder das gleiche Spiel. Hinterher mehren sich die Stimmen, ob wir nicht im nächsten Jahr mal etwas anderes machen. Zum Beispiel nicht auf die Wiesn zu gehen. Irgendwohin, wo es leiser ist, wo man sich besser unterhalten kann usw. Nur: Betrachtet man die Photos von unserem Zeltaufenthalt, sieht man nur freudestrahlende Gesichter.

In Clubjacke und Lederhose: Senioren des Hockey-Club Bad Homburg auf der Wiesn, September 2010
In Lederhose und Clubjacke: Martin, Christian L., Christian H., Hennes, John-Philip und Nicolai

So ganz doof kann es also nicht gewesen sein. Und mal ehrlich: Wer geht denn schon auf die Wiesn mit dem Anspruch, sich zu unterhalten. Auf der Wiesn steht man irgendwann im Laufe des Abends mit den anderen 9.999 Zeltinsassen auf den Bierbänken und läßt die wiederkehrenden Animationen der Blaskapelle („Ein Prosit, ein Prosit …”) mehr oder weniger stoisch über sich ergehen. Außerdem ißt man brav sein halbes Hendl und trinkt das eine oder andere Bier. Davon gibt es übrigens reichlich. Es befinden sich täglich etwa 780 Hektoliter (1 hl = 100 l) Oktoberfestbier im Festzelt! Versorgungsengpässe ausgeschlossen. Soweit, so fröhlich.

Pars pro toto: John-Philip, Nicolai und Christian

Während Jopi und Nicolai wie schon im vergangenen Jahr irgendwann den Absprung Richtung Pfälzer Weinstuben in der Münchner Residenz fanden, konnte sich der Hauptverband (inzwischen bereichert um Sven) mal wieder nicht lösen. Und dann noch das Desaster mit der Rückfahrt (s.o.). Im kommenden Jahr gehen wir ab einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht einfach mal geschlossen woanders hin. Dann klappt’s auch mit der Heimkehr.

Am nächsten Morgen waren wir alle wieder vereint und bereit zu großen Taten – die dann auch folgten. Im ersten Spiel gab es gleich ein souveränes 3:0 gegen die Legionärs aus Bayreuth. Daß die Luschen gar nicht erst antraten, weil ihnen das bißchen Regen mißhagte, war dabei nur ein klitzekleiner Schönheitsfehler. Wir jedenfalls waren mit der ganzen Truppe (inzwischen verstärkt durch Andreas und Norbert) auf dem Platz und bejubelten unseren Sieg. Gegen CUS Bologna gab es zwar einen Dämpfer (0:2, trotz Unterstützung durch Sven), aber allein die Begrüßung durch Darth „Jopi” Vader hat den locker ausgeglichen. Die Absacker vom ASV München konnten wir umgekehrt mit 2:0 besiegen. Die Tore schoß „Zimmer 24” (nur für Eingeweihte). Das letzte Spiel des Tages bestritten wir gegen die Alten Jägis, eine Truppe vom HTC Neunkirchen und aus Dortmund. Ungeklärt blieb die Frage, warum die „Alte Jägis” heißen, denn der Älteste war 31 oder 32. Nach aufopferungsvollem Kampf verloren wir gegen Typen, die vor zwei Jahren noch Regionalliga gespielt haben und 100 m in gefühlten 10,9 Sekunden laufen, 0:2. Geht doch!

Senioren des Hockey-Club Bad Homburg, München 2010
Die glorreichen Neun: Martin Sillich, Nicolai Hammersen, Christian Harder, Andreas Bohn, Christian Libor (stehend von links nach rechts); Hennes Jednat, Helen Stephens, Norbert Miguletz, John-Philip „Vader“ Hammersen (dito davor)

Alles zusammen bedeutete das Platz 2 in unserer Gruppe. Das konnten wir zwar kaum glauben. Aber nachdem mindestens die halbe Mannschaft sich bei der Turnierleitung versichert hat, konnten wir guten Gewissens in den Samstag abend hineingehen. Denn: Wir waren bereits mindestens vierter des Gesamtturniers. Mit dieser Gewißheit ließen wir den Dingen ihren Lauf und feierten bis spät in die Nacht. Der Zustand (mindestens) des Chronisten läßt sich danach ganz gut mit diesem Bild beschreiben:

Im Spiel um Platz 3 trafen wir am Sonntag auf die Bierkids („Bierkids on the Bloads”). Machen wir es kurz: Die sind viel besser als wir. Also verloren wir standesgemäß 2:5 (Tore: „Zimmer 24” und – Helen!) und waren tatsächlich das, was wir schon ahnten: Vierter.

Was gab es sonst noch? Wir haben erstmals unsere Pimm’s-Kiste dabeigehabt. Bei lediglich 11 oder 12 Grad ist Pimm’s zwar nicht unbedingt „the preferred drink”, aber irgendwann muß man ja mal anfangen. Außerdem können wir festhalten, daß unser erster Turnierauftritt mit Clubjacke ziemlich gut ankam. Jedenfalls wurden wir mehrfach darauf angesprochen. Und wir waren nicht einmal die einzigen, die sich dieser alten Tradition bedienten. Die „89er” vom UHC aus Hamburg erschienen ebenfalls in Club-Jacket. Das sollte auch die letzten Zweifler überzeugen: Wir sind auch in dieser Hinsicht auf dem richtigen Weg.

Wir sind nicht allein: Clubjacken-Träger vom UHC aus Hamburg

„O’zapft is!“ – Wiesn-Turnier beim ASV München, 25.-27. September 2009

In Erinnerung an ihre Zeiten als „Studiosi“ an der Ludovicus-Maximilianus-Universitas und als Spieler beim Akademischen Sportverein München besorgten uns Nicolai Hammersen und Kai Wenzel eine der begehrten Einladungen zum Oktoberfest-Cup des ASV.

Man soll nicht sagen, wir würden das Brauchtum nicht pflegen: John-Philip Hammersen, Matthias Marsch, Nicolai Hammersen

Also wurden von den „Hardcore“-Bayern-Fans die Lederhosen und das Wams aus dem Schrank geholt und los ging’s am Freitag auf die Wiesn ins Hofbräu-Zelt. Ausgerüstet mit Bons für zwei Maß Starkbier und ein halbes Brathendl erlebten die jungmännlichen Nordlichter unter uns den Olymp der blauweißen Gemütlichkeit (1). Anfangs nach der ersten Maß ging es bis auf den ohrenbetäubenden Lärm noch halbwegs gesittet zu. Als dann aber die Blasmusik von der bayrischen zur internationalen Volksmusik (2) überging, hielt es keinen mehr, ich muss gestehen auch uns nicht, auf den Sitzen. Auf den Bänken stehend, den Maßkrug schwenkend grölten alle die Wiesn-Hits mit.

Ungerührt von 8.000 auf den Bänken stehenden Wiesn-Besuchern geht Kai Wenzel Wichtigerem nach.

Nur einer hatte die Ruhe weg: Kai mampfte friedlich zwischen all diesen Beinen mit und ohne Wadlwärmern seine Schweinshaxn. Nach der dritten Maß und einem Weißbier-Absacker hatten wir alle unser Kampfgewicht in die nächste Gewichtsklasse angehoben.

Da der Spielplan mit fünf Spielen auf Kleinfeld am Samstag nicht gerade altersgerecht für Alte Herren war und es nur zwei Gewichtsklassen (3) gab – U30 und Ü30 – hatten wir uns zwei Strategien ausgedacht, die unser Überleben sichern sollten:

  1. Ständige Rotation durch Doppelbesetzung aller Positionen bis auf das Mittelfeld – Hennes, unser Ü50 Altinternationaler musste als Einziger durchspielen (4)
  2. Erfahrung und Technik auf Naturrasen – welcher „echte“ U oder Ü30 hat denn noch auf Naturrasen trainiert?

Ernüchtert mussten wir am Sonntag nach dem letzten Spiel gegen den UHC leider feststellen, unsere Strategien sind nicht aufgegangen! Wir haben kein Spiel gewonnen! Nur gegen den UHC, der in der gleichen Alters- und Gewichtsklasse wie wir antrat, reichte es zu einem Unentschieden. Rotation und Naturrasen boten uns zwar Vorteile, die Niederlagen so gering wie möglich zu halten, aber zu einem Sieg reichten sie nicht. Buben und Madl von 30 Lenzen sind nun mal halb so alt und doppelt so schnell!

Die strategische Mannschaftsaufstellung:

HCH Senioren, München, September 2009 (stehend von links nach rechts: Matthias Marsch, Christopher Schlebusch, Andreas Bohn, Nicolai Hammersen, Hennes Jednat; knieend von links nach rechts: Hinrich Krack, Kai Wenzel, Matthias Lethaus, Christian Harder; liegend: John-Philip Hammersen)
  • Tor: John-Philip Hammersen
  • Verteidigung: Matthias Marsch/Matthias Lethaus, Christopher Schlebusch/Kai Wenzel
  • Mittelfeld: Hennes Jednat,
  • Angriff: Hinrich Krack/Christian Harder, Nicolai Hammersen/Andreas Bohn

Auf Kunstrasen spielten und verloren wir gegen so illustre Mannschaften wie die TULC „The Untouchable Love Crew“ vom Steglitzer TK aus Berlin mit 2:4; unsere Torschützen Nicolai & Andreas; gegen Polo Gigants aus Hamburg mit 0:1 und gegen Die Keulen vom Rheydter Spielverein mit 1:3; unser Torschütze Nicolai. Auf Naturrasen ging das Spiel gegen die Bierkids, eine bayrische Reisemannschaft mit dem Kini Ludwig II als Patron, mit 1:2 verloren, unser Torschütze wieder Nicolai, gegen Dubai, englische Hockeyspieler, die tatsächlich aus den arabischen Emiraten kamen, ertrotzten wir ein 1:2, diesmal traf Hennes nach etlichen Versuchen (knapp daneben ist auch daneben) endlich einmal (5) voll ins Schwarze! Wie gesagt, gegen den UHC Hamburg gelang dann zum Schluss mit Nicolais Tor ein versöhnliches 1:1 Unentschieden. Damit können wir leben! (6)

Matthias Marsch

  1. Und Alle: „Ein Prosit, ein Prooosit der Gemüüütlichkeit“ – „Oans, zwoa g’suffa“.
  2. Aus dem Musikanten-Stadl: „I will survive“ – „Das ist Wahnsinn – Hölle, Hölle, Hölle!“
  3. Kinder und Heranwachsende in Relation zu unserem Alter.
  4. Natürlich blieb auch der Torwart von der Rotation verschont, er steht ja sowieso nur Cognac (© Heinz Erhardt). Im Ernst, er war es, der uns im Spiel hielt!
  5. Hier ging erstmals Strategie 2 halbwegs auf! In Dubai gibt es halt nur Sand. Oder spielen die dort auf Naturrasen in der klimatisierten Halle? Könnte ja sein, wenn sie da sogar Schi fahren.
  6. Wir nutzten den Frühbucher-Rabatt und meldeten gleich für´s nächste Turnier. Aber dann fahren wir mit der Bahn, denn zurück brauchten wir auf der A9/A3 trotz des ultimativen Navi Tests über sechs Stunden Fahrzeit wegen der „Dauer“-Baustelle Würzburg/Kist.