The LMHA 50th Anniversary „Golden Festival“, Loughborough University, 5th/6th September 1998

Mitte Juli richteten die Team-Manager der Global Hockey Travellers, Elke und „Bio“ Zahn, eine Eilanfrage an die Alten Herren des HC Bad Homburg, wer Interesse daran hätte, einer Einladung von Cathy Tate zum „Golden Festival“ der Leicestershire Mixed Hockey Association nach England zu folgen. Cathy Tate ist die „secretary of team“ der „Bedouins“ und Mitorganisatorin des Celebration Festivals, die mit einigen Mitspielern der LMHA schon in unserer Mannschaft beim Krähen-Turnier in München gespielt hat. Lust hatten viele, Zeit schon weniger und so flog dann eine kleine Truppe von German/Innen über den Ärmelkanal nach Birmingham, um gegen die Normannen, Angeln und Sachsen zu kämpfen.

Nach und nach trafen am Donnerstag (in der Reihenfolge ihres Auftretens) Elke und „Bio“ Zahn, Jutta und Sabine aus Fürth, Heinz Dehn und Matthias Marsch, Dagmar und Emilia KD (Köln-Düsseldorfer) sowie als letzter Rienus aus Holland in Cathys und Pauls Whateley Farmhouse in Staffordshire ein. Bei herrlichem Spätsommerwetter tranken wir im Garten unsere erste Tasse Tee; Ferdy, der Hahn, gesellte sich zu uns und pickte die Krümel auf, und hinter dem Stall schnatterte eine Herde Gänse. Die Gebäude von Whateley Farmhouse stammen aus dem 16. Jahrhundert, die Deckenbalken von Schiffen der geschlagenen spanischen Armada, die gerade von unseren Gastgebern liebevoll restauriert werden.

Am Freitagmorgen begleiteten wir Cathy zu ihrem Hospital in Dudley, um das gegenüberliegende „Dark County Museum“ zu besichtigen. Dieses „Living Museum“ ist so eine Art „Hessenpark“, allerdings mit den für das englische Kohlenrevier typischen Industriebauten. Neben den vielen kleinen Backsteinhäusern und –geschäften, in denen die „Bewohner“ in typischen Kleidern des beginnenden Industriezeitalters den Besuchern Dinge des damaligen Lebens demonstrierten, gab es auch ein Kohlebergwerk zu besichtigen. Hier konnte man die Lebens- und Arbeitsbedingungen der englischen Coalminer des vorletzten Jahrhunderts hautnah erleben.

Campus der Loughborough University

Am Abend zogen wir dann um auf den Campus der Loughborough University, eine in England sehr bekannte Sport-Universität (Sebastian Coe, der 800-m-Läufer, trainiert hier) in das Studentenwohnheim, wo dann auch Anja Miguel und Andreas Harz zu uns stießen. Erinnerungen an meine Studentenzeit in Darmstadt und Berlin wurden wach, 8 m2 Fläche, ein Bett, ein Einbauschrank und ein Schreibtisch sowie eine Dusche und Toilette für acht Wohneinheiten im Treppenhaus.

„You know how to skittle?“ Diese Frage unseres Gastgebers beim gemütlichen „Get together“ musste mit einem eindeutigen „No, Sir!“ beantwortet werden. Skittle ist die keltische Variante unseres Kegelns. Nur dass hier die Kegel-„Pins“ mindestens doppelt so groß sind, zum Werfen statt einer Kugel ein hölzernes Rugby-Ei benutzt wird, und dieses Stück Baumstamm muss auch noch einmal auf dem Boden aufspringen, bevor es einen Pin treffen darf. Als der Autor beim Probewerfen im ersten Wurf gleich vier Pins und im zweiten dreiPins abräumte, wurde er als bester Ausländer und pick number 2 von „Big John“ gedraftet. (Fragen Sie Ihren Nachwuchs, der kennt sicher die Regeln der NBA). Pünktlich um 10.45 pm wurde zur „last order“ geläutet und danach das letzte Pint Lager, Bitter oder Ale geleert.

Der Samstag und erste Spieltag brachte uns endlich das, was wir bisher in England nach unserem Sommer so schmerzlich vermisst hatten: Regen! But the games must go on. Das Motto der Spiele lautete: Six per Sex per day.

Damit war nicht die Umsetzung von Martin Luthers Maxime „In der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr!“ in das Viagra-Zeitalter gemeint, sondern die Zahl der matches per day. Jede Mannschaft spielte in drei „competitions“, nämlich

  • Mixed 11-a-side (5 men, 5 ladies, Goalie either sex)
  • Ladies 7-a-side (Goalie can be either sex)
  • Men´s (Blokes) 7-a-side (Goalie can be either sex)

Das Festival Summary gibt dazu noch folgendes an: “For each competition there will probably be around 3 matches per day (so 6 per sex per day)”. Bei einer Spielzeit von 25 min für 7-a-side und 35 min für 11-a-side ergibt das insgesamt 180 min gleich drei Stunden pro Tag. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken! Als wir auf Pitch 6, einem traumhaften Kricket-Rasenplatz, zu unserem ersten Blokes 7-a-side Match gegen Leicester antragen, lernten wir noch eine weitere der „match rules” kenn, Zitat: „For new players – yes, it is played on the full pitch.“ „Hand aufs Herz, haben Sie schon einmal auf dem großen Feld mit sechs Feldspielern gegen Mittdreißiger 25 min lang gespielt?“

Ehrlicherweise müssen wir gestehen, dass wir immer etwas „late” auf dem Platz waren und auch die Begrüßungszeremonie mit der Übergabe einer Flasche Bocksbeutel (What´s that?) ausdehnten. Nur unserem ausgeliehenen englischen Goalie – männlich, Mitte zwanzig, 1,90 m und regenfest – hatten wir es zu verdanken, dass wir kein Debakel erlitten, sondern nur 3:0 verloren. Unser Standard-Goalie Elke Zahn – weiblich, Mitte dreißig (Damen ihres Alters sind immer Mitte dreißig), 1,60 m und auch regenfest – hatte sich geweigert, bei den Men´s matches (goalies either sex hin oder her) ins Tor zu gehen, als sie mitbekam, wie die englischen Jungs beim Torschuss abziehen. Mit neuer Taktik –weniger laufen und mehr zuspielen – haben wir dann die Herren-Spiele gegen Market Harborough, Hermitage, Aardvarks und Druck mehr oder weniger erfolgreich gestalten können. Die Ladies 7-a-side hatten leider Pech, dass es zu ihren Spielen am Samstag ganz besonders stark regnete. Daher fehlen dem Chronisten die Ergebnisse. Er zog sich nämlich, so oft es möglich war, ab 11.00 am in Herbie´s Bar at the Students Union Building zurück (nicht nur er!).

Global Hockey Travellers 1998 in Leicestershire

Die Mixed 11-a-side matches waren die Höhepunkte des Festivals. Mit Unterstützung unserer englischen Freunde, Cathy, Jann und Pete konnten wir mit den anderen Mannschaften aus Loughborough, Stoke Golding, West Park, Syston usw. nicht nur gut mithalten, sondern auch das eine oder andere Spiel gewinnen. Ein Spiel, nämlich das letzte gegen unsere Gastgeber, die „Bedouins“, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es begann damit, dass sich die Mannschaften in keltischer Schlachtordnung als wilder Haufen im Tor versammelten, mit den Stöcken auf den Alupfosten einen Höllenlärm machten und ein Goalie-Wettrennen zum Anstoßpunkt startete. Als der Umpire das Handicap unseres Goalie Elke – ihre Beinlänge – bemerkte, kickte er die Kugel in ihre Richtung und verschaffte ihr so den kleinen Vorteil, der zum Sieg reichte. Und es endete damit, dass wir als beste, weil einzige, ausländische Mannschaft von Colin Roberts, General Secretary LMHA, ausgezeichnet wurden. Der Captain des GHt-Teams, „Bio“, und der ad hoc ernannte team-secretary, Andreas Harz, dankten in einer wohlgesetzten Rede, die auch dem Speaker im House of Lords gut angestanden hätte.

Zum Schluss möchte ich noch einmal aus den „Festival Rules“ zitieren:

The overall team score will be added to or deducted from with factors such as „sportsmanship“, „co-operation“, „willingness to provide umpires“ and any other „whatever we feel like on the day” factors. Although this may annoy some purists, this is a festival, not a serious competition.

Matthias Marsch

P.S.: Es gäbe noch so vieles zu berichten, über das gute Essen (in England?) beim Inder (ach so, deshalb!), über die Lagers, Bitters and Ales, über die Highland-, Lowland- and Islay-Single-Malt-Whiskies, über die Castles and Towers, über die Dungeons and Dragons and, and, and …! Das alles könnt Ihr live erleben – jeden Donnerstag im oder nach dem Training der AH!

8. lnternationales „Old Style Jazzy Hockey Festival Prinsenbeek“ in Breda/Niederlande, 21.-23. Mai 1998

Nachdem es im Vorfeld bei der Vorbereitung des Turniers zwischen dem Veranstalter dieses Turniers, dem H.C. Prinsenbeek, und dem Veranstalter des im Wechsel stattfindenden Co-Turniers in Brüssel, Les Eburons/Rapidity, zu ernsten Auseinandersetzungen über den Austragungsort gekommen war, schien das Ende des Jazzy Hockey Festivals gekommen zu sein. Aber Totgesagte leben länger!

Als die Einladung nach Breda beim Captain der HCH-Veteranen, Jochen Dau, dann doch noch eingegangen war, kam auch der letzte vom Zipperlein und Rheuma geplagte Veteran hinter dem Ofen hervor und aus den Puschen heraus, um gen Prinsenbeek, dem Mekka des Old Time Jazz und Hockey, zu wallfahren. Aber auch ein paar mittelalte Youngster konnten dem Locken der Blechbläser, Banjoschrammler, Baßzupfer und Trommler nicht widerstehen. Und dann unser Fan-Troß, der in voller Mannschaftsstärke mitgereist war und für die notwendige Unterstützung in Form von Heineken, eingelegtem Hering mit Zwiebeln und Jonge Genever (ein Muß nach dem rohem Fisch) sorgte.

Zu den Klängen der Dutch Barrel-Organ wurde am Donnerstag vor den Spielen die Mannschaftsaufstellung und die Spieltaktik auf einem Bierfilz festgelegt. Heraus kam folgende Aufstellung:

  • Tor: Kay Urban
  • Libero: Kai Wenzel
  • Verteidigung: Manfred Wenzel, Manfred Euler, Holger Lüttgen, Jochen Dau, Matthias Marsch
  • Mittelfeld: Hans G. „Hennes“ Jednat, Fred (aus Holland), Erwin Trost, Jürgen Heyer
  • Sturm: Wilhelm Rousselet, Rolf „Bio“ Zahn, Hinrich Krack, Walter Both, Heinz Dähn, Manfred „Gummiknie“ Richter

Obwohl die Taktik sehr einfach war – im Sturm auf 0:0 spielen, und in der Verteidigung das 0:0 halten – wurde sie nicht konsequent eingehalten. Aber zum Glück hat der Sturm mehr Tore geschossen, als die Verteidigung und der Torwart kassiert haben.

Kommen wir nun zu den Ergebnissen von de wedstrijden. Von insgesamt 26 Mannschaften aus Holland, England, Portugal und Deutschland waren acht Mannschaften mit uns in Poule C: Bangers, Ashford H.C., Sextons H.C., Mid Sussex H.C. aus England, Rilland-Bath und The Old Timers aus Holland und Schwarz-Weiß Köln/Pinguins aus Deutschland.

Gleich im ersten Spiel am Himmelfahrtstag gegen die Old Timers, die ihrem Namen alle Ehre machten, gelang Hennes Jednat nach Sololauf das erste Tor, dem trotz aller Überlegenheit in den weiteren 30 Minuten keines mehr folgen sollte. Gegen den Ashford H.C. gelang Wilhelm Rousselet zwar das erste Tor, aber Ashford konnte durch einen Schuß aus spitzem Winkel unter dem fliegendem Torwart hindurch zum 1:1 ausgleichen. Unsere Mannschaft konnte froh sein über das Unentschieden, da Kay Urban mit dem Schlußpfiff noch einen Siebenmeter hielt. Im letzten Spiel des Tages gegen die Bangers war Hennes Jednat, unser Slalomspezialist, zweimal zum 2:0 erfolgreich. Das Ende des Tages klang mit einem Bali-Indonesian-Buffet zur Musik der Dixieland All Stars aus.

Am Freitag gelang dann wiederum Wilhelm Rousselet ein schönes Tor aus dem Feld gegen die Sextons, aber mit einer kurzen Ecke gelang den Sextons der Ausgleich zum 1:1. Es war ein strammer Schuß durch die Hosenträger/Schoner unseres Torwarts, 875 mm höher, und er hätte die Schutzwirkung seines Suspensoriums erfolgreich testen können.

Gegen Mid Sussex setzte es dann in den letzten Spielminuten die erste Niederlage mit 0:1 nach einer von vielen kurzen Ecken. Leider waren die Arme des rechten Verteidigers (d.h.·des Verfassers) um einen halben Meter zu kurz, um den Ball noch von der Linie zu kratzen. Außerdem wurde noch unser Libero vom Platz gestellt, da er dem Schiedsrichter die Trillerpfeife bis zum Zäpfchen in den Hals schob, wie dieser behauptete.

Gegen Rilland-Bath, den späteren Gruppenersten von Poule C, leisteten wir uns die vorgegebene taktische Nullnummer. Wir hätten gewinnen können, ja sogar müssen, hätte nicht unser Linksaußen „Bio“ Zahn die Taktik so verinnerlicht, daß er völlig freigespielt von Hennes Jednat einen Airball schlug. Das war natürlich eine Runde Heineken wert.

lm letzten Spiel des Tages gegen die Ex-Bundesliga-Profis von Schwarz-Weiß Köln/Die Pinguine gelang uns trotz drückender Überlegenheit des Gegners, der einen Siebenmeter nicht verwandeln konnte, mit dem ersten Konter das einzige Tor des Spieles zum 1:0-Sieg. Es war ein digitales Traumtor (hopp oder dopp) von unserem Kreisel-Stürmer Hinrich Krack. Nach einer vom Gegner halbhoch abgelenkten, scharfen Hereingabe von der Torauslinie schlug er den Ball direkt ins Tor.

Danach gönnten wir uns trotz fortgeschrittener Zeit und klammer Kälte erstmal das Gastgeschenk der Kölner, ein Kölsch. Welch ein Genuß!

Dem aufmerksamen Leser wird sicher nicht entgangen sein, daß bei insgesamt 26 Mannschaften (davon 14 aus England) – und nur acht Mannschaften in Poule C – in Poule A und B wie viele sein müßten? Richtig: Neun Mannschaften! Um nun zur gleichen Anzahl an Spielen zu kommen wie in den anderen Gruppen, wurde am Samstagmorgen ein weiteres Spiel innerhalb unseres Poules angesetzt. Wieder trafen wir dabei auf die Pinguine. Und wieder gelang uns ein 1:0-Sieg. Diesmal war es Wilhelm Rousselet, der einen Abpraller von den Schienen des Torwarts eiskalt verwandelte. Den Sieg rettete letztlich Kai Wenzel, der einen hohen Ball nach einer kurzen Ecke für den schon geschlagenen Torwart auf der Linie aus der Luft pflückte.

Trotz dieser Weltklasse-Leistungen (schade, daß Paul Lisseck nicht mal von der WM in Utrecht aus kurz zur Sichtung für den gleichzeitig spielenden Nationalkader herüberkam) wurden wir nur Dritter in unserem Poule. Wie kommt das nun? Es lag an unserer Taktik! Zwar haben wir gegen den Gruppenersten taktisch clever 0:0 gespielt und den Gruppenzweiten, die Kölner Pinguine, zweimal 1:0 geschlagen, aber am Ende hatten wir bei gleicher Punktzahl wie der Zweite, nämlich 15 Punkte, zu wenig Tore geschossen. Einen Gegner hatten die Pinguine mit 7:1 abgefertigt.

In den Spielen um den 7. bis 9. Platz im Endklassement (die jeweils Gruppengleichen spielen gegeneinander) gelangen uns ein 1:0-Sieg gegen die Hampshire Harlequins durch ein sauberes Tor von Manfred Euler und eine 0:1-Niederlage gegen den Old Williamsonian H.C., nachdem durch einen Torwartkick der Ball genau vor dem Schläger eines Old Williams landete, der ihn halbhoch ins lange Eck donnerte. Damit waren wir Achter im Gesamtergebnis, die beste Plazierung seit wir 1992 Fünfter geworden waren.

Über einen Wermutstropfen muß hier noch berichtet werden. Neben dem Pokal für den Sieger gibt es noch einen Fair-Play-Pokal. Da unsere mittelalten Heißsporne Kai und Hennes wegen Schiedsrichterbeleidigung jeweils einmal die Rote Karte sahen (der Arien trillernde Referee, mit dem sich Kai angelegt hatte, war ausgerechnet der Captain der Siegermannschaft Ashford Roaring Forties) belegten wir im Fair-Play-Pokal den 26. und letzten Platz, noch hinter der gastgebenden Mannschaft von Prinsenbeek. Asche über unsere Häupter!

Die Torjägerkanone teilen sich Wilhelm Rousselet und Hennes Jednat mit je drei Toren, zum MVP (Most Valuable Player) wurde Hennes Jednat gewählt, da er außerdem die meisten Assists (Vorlagen zu Toren) gegeben hat. Rebound-König wurde (nein, nicht Dennis Rodman) Kai Wenzel, der die meisten Bälle hinten abfing. Im Grunde kann jeder in der Mannschaft einen Titel für sich beanspruchen: Schnellster Rechts-, Linksaußen, Bester Auswechselspieler, Schönster Bartträger, Ältester Teilnehmer, Elegantester Tänzer. Zum Beispiel hat Fred, unser fliegender Holländer, auch noch ein Tor geschossen, allerdings ausgerechnet für die Kölner Pinguine in der Endrunde. Wer aber Heavy Weight Champion werden könnte, verschweigt der Autor. Er wäre in Gefahr, selbst diesen Titel zu erringen.

Die „Old Style Jazzy Hockey Night“ fand am Freitag diesmal nicht im Zelt, sondern in der VIP-Lounge des „Fujifilm Stadion“ statt. Bei heißer Musik von den „Dutch Swinging Dixie Devils“ und „King Pleasure and the Biscuit Boys“ wurde gespeist, getrunken und getanzt (soweit sich einige mit hockeysteifen Hüften überhaupt noch bewegen konnten) bis tief in die Nacht. Endpunkt war dann die Hotelbar.

We hope to see you again in 1999 or 2000!

Die Veterani des HCH auf Tour mit den „Global Hockey Travellers“ (Ght) nach Villafranca di Verona/Italia, Pasqua MIIM

„Bella Italia! Sol lucet omnibus!”

Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Aber wer sollte schon ahnen, daß man am Besten einen mit Nerz gefütterten Kleppermantel oder noch besser einen mit Waltran eingeölten Eskimo-Seehundsfell-Parka über Ostern nach Italien mitgenommen hätte. Schneefall in Milano, Ski und Rodel im Alto Adige, aber die AH trotzten dem Unwetter und spielten Hockey in Villafranca beim 3. Torneo Internazionale Faccioli Nereo Ostern ’98.

„Ad parma per astra!“

Das Ght-Team, eine bunte Mixed-Truppe mit Spielern aus Frankreich, Italien, den Niederlanden und Deutschland, ist nun schon seit Beginn des Turniers mit von der Partie. Treffpunkt des Teams war nach ausgedehnten Reisen durch Tirol, Toskana oder Piemont das Städtchen Valegio sul Mincio (Fiume nasce del Lago di Garda) und hier die Bar des Albergo Eden. Neben den AH des HCH Elke und „Bio“ Zahn (GO, Gentile Organisateur), Wilhelm Rousselet, Matthias Marsch (jeweils mit Frau, Kind und Kegel), Andreas Harz (Önologe) und Heinz Dähn (Pensionär) standen etatmäßig noch Bruno Sorio (Keeper und Comitato Organizzatore), Jean-Marie (Mannschaftspsychologe aus Lyon) und die Damen aus Düsseldorf, Fürth und Holland in der Mannschaft. Nach Bedarf wurden weitere in- und ausländische Spitzenspieler eingekauft oder der eigene Nachwuchs, Marcus Marsch (NBA-Youngster), eingesetzt. Der schoß dann auch sein erstes Tor, aber leider nicht für uns, sondern als Legionär bei den Nürnbergern.

„Venimus, vidimus sed non vicimus!“

Die Spiele begannen am Sabato mit einer 0:2 Niederlage gegen die Deubumi-Nürnberg (Deutschlands bunte Mischung) und einem Spielausfall wegen Regens gegen die Gastgeber aus Villafranca. Am Domenica und Lunedi reichten uns zwei Unentschieden gegen den Offenbacher RV (1:1) und den H.C. Wettingen (2:2), um auf einen ungefährdeten Mittelplatz in der Elenco Squadre Partecipanti – Veterani Mixed zu kommen. Ketzerische Anmerkung von Spielergattinnen: Um gegen OF und N zu spielen, hätte man nicht unbedingt bis nach I reisen müssen. Diese Ignoranz wurde mit einem Ausflug nach Verona honoriert, als dort die Luxusläden gerade chiuso wegen Siesta waren.

„Pasta et circenses!“

Nach den Spielen traf man sich zu Maccheroni con Stracotto, Tortellini e Pasta fresca und Vino im Ristorante Al Cacciatore oder La Bursa. Valegio sul Mincio ist berühmt für seine Pasta. So manche „Bio“-Millitonne (Der Verfasser ist sich sicher: Sie, geneigter Leser, können es sofort umrechnen. Oder etwa nicht? Lösung: 1 Millitonne = 10`³ t = 1 kg = 10³ g) mehr an Körpergewicht mußte zusätzlich über das Spielfeld getragen werden. Aber auch die Kultur kam nicht zu kurz. Sobald der Regen es zuließ, wurde die Umgebung erkundet, Mantua mit seinen Piazze, der Lago di Garda mit seinen Touri-Auto-Karawanen und Verona mit dem Amphitheater. Unter der Leitung unseres Önologen wurde auf dem Rückweg noch so mancher edle Tropfen von Weinen aus Valpolicella, Barolo, Babaresco usw. verkostet und kastenweise unter Verdrängung des Gepäcks im Auto oder per Spedition gen Heimat verfrachtet.

„Arrividerci Italia“, und das nächste Mal ein wenig mehr: „O SOLE MIO!“

Matthias Marsch

P.S.: Den besten Cappucino gibt es im Cafe Al Teatro in Verona. Hier wird von zarter Hand einer Zwillingsmaid aus geschäumter Milch ein Eichen- oder Ginkoblatt in den Kaffee gezaubert.

Aufgrund einer redaktionellen Nachfrage des GO hier noch eine Übersetzung der Zwischentitel:

  1. MIIM = MCMLXXXXVIII = 1998
  2. Bella Italia = Italienische Hunderasse oder Lizenzprodukt eines Zündapp-Rollers
  3. Sol lucet omnibus = Solarscheinwerfer am Bus (wörtlich: Die Sonne scheint allen; biblisch: Für jeden der Geringsten unter Euch läßt Gott die Sonne scheinen.)
  4. Ad parma per astra = Zum Schinken mit Opel (Original: Per aspera ad astra = Durch die Hölle zu den Sternen – Star-Trek IV)
  5. Venimus, vidimus sed non vicimus = Plural mit Negation von Caesars: „Veni, vidi, vici!“
  6. Pasta et circenses = Italienische Teigwarenspeise aus Hartweizengries
  7. Arrividerci Italia = Schlager von Silvio F. und Caterina V.
  8. Sole mio = Schellackgruß von Caruso an Guildo