Hockey – ein körperloses Spiel?!

Dass Hockey ein „körperloses” Spiel ist, dran ist gelegentlich zu erinnern. Das war (und ist) allerdings nicht immer so, wie ein Blick in die Geschichte (und die Gegenwart) des Sports zeigt.

Zunächst zur Geschichte: Der Deutsche Hockey Bund schreibt zur Historie des Hockeyspiels unter anderen:

Die sprachliche Bezeichnung für die Sportart Hockey stammt entweder vom englischen „hook” (gekrümmt) oder vom altfranzösischen „hoquet” (Schäferstock; gebogener Stab) ab. Bereits um das Jahr 3000 vor Christus fanden in China, Persien und Indien Stockballspiele verschiedener Art statt, die mit hohem körperlichem Einsatz und meist sehr hart geführt wurden. Im Mittelalter waren es Hurling, Bandy und Shinty, vorrangig auf der britischen Insel, aber auch auf allen Kontinenten der Erde, die das Treibballspiel mit einem „Krummstock“ weiterentwickeln ließen. Das waren sehr kampfbetonte Spiele, bei denen die Schläger als Symbole galten und die Verzierungen aus Gold am Schläger etwas über die Herkunft des Spielers aussagten. Durch die Reduzierung der Spieler pro Team von über 100 auf 15 und die Einführung eines Regelwerks wurde Hurling etwas gemäßigter und kann als direkter Vorläufer des Hockeys angesehen werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Hockey an den verschiedenen englischen Universitäten gepflegt, aber nach unterschiedlichen Regeln gespielt. Wettkämpfe zwischen den Colleges waren äußerst schwierig, da erst Verhandlungen über die Regeln zu führen waren, die oft genug scheiterten. 1852 wurde in Harrow ein erstes schriftlich fixiertes Regelwerk für das Hockeyspiel vorgestellt, um einen Spielbetrieb zu ermöglichen. Die „Rules of Harrow“ enthielten elf Paragraphen, die beispielsweise über Spielfeldbeschaffenheit, Spielkleidung, Spielerzahl (30 pro Team), Schlägerlänge, hoher Stock, Verbot des Beinstellens etc. Auskunft gaben.

Die Entwicklung ging nun immer schneller voran, 1875 wurde in London die „Hockey Union“ gegründet. Damit war England das erste Land mit einer nationalen Vereinigung und kann als Mutterland des modernen Hockeyspiels angesehen werden. Im gleichen Jahr wurde eine neue Regel eingeführt: Vermeidung körperlichen Kontakts der Spieler – damit erfolgte eine scharfe Abgrenzung zum Fußball und Rugby. Es schuf die Voraussetzung für die Entwicklung zu einem fairen, körperlosen und eleganten Spiel.

Soweit der Anspruch. Dem nun zeigen sich heute nicht alle Spieler gewachsen, wie die nachfolgende Szene eindrucksvoll belegt (weil es so schön ist, in halber Geschwindigkeit):

Man sieht, wie Hennes seine Gegner von 1. Hanauer THC wie üblich nicht an den Ball kommen läßt und sie durch seine Spielweise „provoziert” – bis einem von ihnen der Geduldsfaden reißt. Körperlos? Wieso körperlos? Unter souveränem Rückgriff auf „Regeln” des antiken Stockballspiels (siehe oben) wird Hennes einfach mal zu Boden gerammt.

Liebe Hanauer: Nicht nur die Zeiten des antiken Stockballspiels, auch die von Hurling, Bandy und Shinty sind vorbei. Seit 1875 gilt es, körperlichen Kontakt der Spieler zu vermeiden. Nach 135 Jahren könnte das doch auch in Hanau angekommen sein.

Die „Alten Herren“ im Training – ein Essay

Da das Alte Herren-Team des HC Bad Homburg in der Hallen-Saison 2009/2010 noch kein Turnier gewonnen hat, soll an dieser Stelle nun ein streng wissenschaftlicher Essay über das zukünftige Training im HCH – Alte Herren-Hockey-Hochleistungssport – erfolgen.

Die Trainingsmethoden wurden in jahrelanger Praxis erarbeitet, wissenschaftlich durch ein Team von Spezialisten (einem Doktor, einem Ex-Profi und einem Hockey-Methusalem) ausgewertet und sollen jetzt wieder in die Tat umgesetzt werden. Dabei werden folgende „Gewichtsklassen“ unterschieden: „weibliche Jugend/Seniorinnen“, „männliche Jugend/Senioren“ und „Alte Herren“. Eine Untergruppe der AH bilden die „Rentner“ und die „Eltern-Spieler“, für die ein besonderes hartes Trainingsprogramm entwickelt wurde.

Nach dem Warmlaufen über null bis drei Hallenrunden erfolgt das Warmschießen auf den „laufenden“ Torwart. Das wissenschaftliche Trainergespann entscheidet danach über die Mannschaftsaufstellungen, wobei streng darauf geachtet wird, dass beide Teams gleich schwach besetzt sind. Die Zuordnung der Mitspieler in Angriff, Mittelfeld und Verteidigung erfolgt in der Regel nach der „Gravitations“-Methode: Je schwerer der Spieler, desto weiter hinten spielt er in der Verteidigung. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Quoten-Spielerin darf sich ihren Gegner selbst aussuchen.

Im Trainingsspiel sollen viele taktische und stocktechnische Varianten erprobt werden. Sehr wichtig sind dabei:

  • Tempo-Gegenstoß: „Vor zwei Jahren, als ich noch jung war, hätte ich den Ball aber noch locker erlaufen.“
  • Pfosten stellen: „Stell´ dich doch endlich mal an den kurzen Pfosten, nein an den langen Pfosten“ – dabei sind doch beide Torpfosten gleich lang.
  • Fuddeln oder Daddeln: Ein Crack spielt – „fuddelt” oder „daddelt” – den Gegner solange schwindelig, bis entweder er selbst oder die Gegenspieler nicht mehr wissen, wo es überhaupt langgeht.
  • Stoppen mit dem Stock: „Die Vorhand, nimm doch endlich mal die Vorhand!“ „Scheißspiel über die Bande!“
  • Stoppen mit dem Fuß: „Immer auf den dicken Zeh!“ „Mann, der hat ja mindestens Schuhgröße 52“.
  • Zum Verteidigungsprogramm gehören das „Rammen“, „Ausheben“, „Stocklupfen“ und wenn alles nicht mehr hilft, das streng erlaubte „Stockwerfen“ – „Sorry, leichter Schwächeanfall!“

Nach dem Training müssen dann aus medizinischen Gründen die Verluste an Mineralien, Kohlehydraten, Nikotin und Alkoholen unbedingt ausgeglichen werden. Sofern dies nicht direkt am Spielfeldrand erfolgen kann, wird es im Clubhaus am Tresen nachgeholt.

Die Alten Herren freuen sich über jeden, der ihre Strapazen im Training teilen möchte.

Matthias Marsch

Ein Essay (Plural: Essays), seltener: Essai (der, selten: das; über französisch essai von mittellateinisch exagium, „Probe“, „Versuch“), ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Die Kriterien streng wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden. (Quelle: Wikipedia)

Senioren des Hockey bedenkt…

Nachfolgend ein Auszug aus den „Satzungen von 1952“, die sich die IV. Mannschaften von Club zur Vahr Bremen, ETUF Essen, UHC Hamburg und DHC Hannover für ihr Vier-Städte-Turnier gegeben haben.

„Satzungen zu dem (turnus)mäßigen Ablauf des Vier-Städte-Turniers zwischen den vereinigten Hockey-Metropolen Bremen, Essen, Hamburg und Hannover.

(…)

8. Bulli: Die Wettspiele werden auch nach den Regeln des Deutschen Hockeybundes ausgetragen. Fußball- und Schlagballregeln können zwar auf gegenseitige Vereinbarung, aber nur auf Antrag beim Spielführer des gastgebenden Vereines eingeführt werden.

9. Bulli: Störungen durch wetterbedingte Feuchtigkeit oder höhere Gewalt sollten mannhaft ignoriert werden. Bombentrichter auf dem Spielfeld sind allerdings zu umspielen, um den Platz nicht zu ruinieren.

10. Bulli: Neben den Hockeyspielen sind während der 4-Städte-Turniere noch Rahmenwettbewerbe wie Preisknobeln, Wetttrinken oder Ermittlung des „Meisters vom Weitspuck“ zur Förderung der „Allround-Sportsmänner“ auszuschreiben.

11. Bulli: Mannschaftsführer bedenkt bei der Mannschaftsaufstellung: Die bei unseren Turnieren mit Sicherheit zu erwartenden Zuschauer-Massen wollen nicht immer die gleichen Spieler auf den A-Plätzen kämpfen sehen. Darum stellt nicht die auf allen Hockeyplätzen bekannten Repräsentativen der oberen Mannschaften auf – denkt an die „Olympiade des kleinen Mannes“! Schließlich können diese höheren Spieler sich nur mit großer Mühe und nach längerem Konditionstraining an das Tempo von uns „Auch-Hockeyspielern“ gewöhnen!

12. Bulli: Ihr Stürmer bedenkt, daß Ihr den Zuschauern die Spannung übermitteln müsst: „Stoppt er den Ball – oder wieder nicht?“ Oder: „Trifft er ihn – oder etwa nicht?“ Den Ball dorthin zu schlagen, wo er hin soll, kann jeder; das hat das ent–begeisterte Publikum schon häufig bei den 1. Mannschaften zu sehen bekommen.

13. Bulli: Verteidiger bedenkt, daß Ihr den angreifenden Stürmer nur in Notfällen zu treffen braucht, wenn Ihr nun schon den Ball nicht erreichen könnt – oder ihn etwa doppelt seht! Reagiert Eure Komplexe doch am Torpfosten ab.

14. Bulli: Ihr Torwärter, Sündenböcke für alles, macht dem gegnerischen Sturm auch mal ne kleine Freude und tut so, als ob Ihr den Torschuß nicht halten könntet! Spaß muß schließlich sein!

15. Bulli: Der mühsam beim Hockey erlaufene Durst darf für kein noch so hohes Angebot nach dem Spiel verkauft werden. Selber austrinken macht erst blau!

16. Bulli: Was auf dem Hockeyplatz versäumt wurde, ist an der Theke nachzuholen (Getränke müssen aber leider bezahlt werden!). Senioren des Hockey bedenkt, daß Ihr auch hier der Jugend ein (mengenmäßiges) Vorbild zu geben habt.

17. Bulli: Da jedes Wettspiel von einem Teilnehmer der anderen Mannschaften geschiedsrichtert wird, haltet diesen armen Würstchen zugute, daß sie ihr Bestes geben und vorher genausoviel tranken wie Ihr!

(…)

Dieses wurde niedergeschrieben im Olympia-Jahr 1952 und gelte noch für künftige Generationen.“

Wir danken der Reisemannschaft des Uhlenhorster Hockey Clubs aus Hamburg für diese Inspiration und versichern: Wir fühlen uns diesen Satzungen tief verbunden und geloben, ihnen andauernd nachzueifern.

„O’zapft is!“ – Wiesn-Turnier beim ASV München, 25.-27. September 2009

In Erinnerung an ihre Zeiten als „Studiosi“ an der Ludovicus-Maximilianus-Universitas und als Spieler beim Akademischen Sportverein München besorgten uns Nicolai Hammersen und Kai Wenzel eine der begehrten Einladungen zum Oktoberfest-Cup des ASV.

Man soll nicht sagen, wir würden das Brauchtum nicht pflegen: John-Philip Hammersen, Matthias Marsch, Nicolai Hammersen

Also wurden von den „Hardcore“-Bayern-Fans die Lederhosen und das Wams aus dem Schrank geholt und los ging’s am Freitag auf die Wiesn ins Hofbräu-Zelt. Ausgerüstet mit Bons für zwei Maß Starkbier und ein halbes Brathendl erlebten die jungmännlichen Nordlichter unter uns den Olymp der blauweißen Gemütlichkeit (1). Anfangs nach der ersten Maß ging es bis auf den ohrenbetäubenden Lärm noch halbwegs gesittet zu. Als dann aber die Blasmusik von der bayrischen zur internationalen Volksmusik (2) überging, hielt es keinen mehr, ich muss gestehen auch uns nicht, auf den Sitzen. Auf den Bänken stehend, den Maßkrug schwenkend grölten alle die Wiesn-Hits mit.

Ungerührt von 8.000 auf den Bänken stehenden Wiesn-Besuchern geht Kai Wenzel Wichtigerem nach.

Nur einer hatte die Ruhe weg: Kai mampfte friedlich zwischen all diesen Beinen mit und ohne Wadlwärmern seine Schweinshaxn. Nach der dritten Maß und einem Weißbier-Absacker hatten wir alle unser Kampfgewicht in die nächste Gewichtsklasse angehoben.

Da der Spielplan mit fünf Spielen auf Kleinfeld am Samstag nicht gerade altersgerecht für Alte Herren war und es nur zwei Gewichtsklassen (3) gab – U30 und Ü30 – hatten wir uns zwei Strategien ausgedacht, die unser Überleben sichern sollten:

  1. Ständige Rotation durch Doppelbesetzung aller Positionen bis auf das Mittelfeld – Hennes, unser Ü50 Altinternationaler musste als Einziger durchspielen (4)
  2. Erfahrung und Technik auf Naturrasen – welcher „echte“ U oder Ü30 hat denn noch auf Naturrasen trainiert?

Ernüchtert mussten wir am Sonntag nach dem letzten Spiel gegen den UHC leider feststellen, unsere Strategien sind nicht aufgegangen! Wir haben kein Spiel gewonnen! Nur gegen den UHC, der in der gleichen Alters- und Gewichtsklasse wie wir antrat, reichte es zu einem Unentschieden. Rotation und Naturrasen boten uns zwar Vorteile, die Niederlagen so gering wie möglich zu halten, aber zu einem Sieg reichten sie nicht. Buben und Madl von 30 Lenzen sind nun mal halb so alt und doppelt so schnell!

Die strategische Mannschaftsaufstellung:

HCH Senioren, München, September 2009 (stehend von links nach rechts: Matthias Marsch, Christopher Schlebusch, Andreas Bohn, Nicolai Hammersen, Hennes Jednat; knieend von links nach rechts: Hinrich Krack, Kai Wenzel, Matthias Lethaus, Christian Harder; liegend: John-Philip Hammersen)
  • Tor: John-Philip Hammersen
  • Verteidigung: Matthias Marsch/Matthias Lethaus, Christopher Schlebusch/Kai Wenzel
  • Mittelfeld: Hennes Jednat,
  • Angriff: Hinrich Krack/Christian Harder, Nicolai Hammersen/Andreas Bohn

Auf Kunstrasen spielten und verloren wir gegen so illustre Mannschaften wie die TULC „The Untouchable Love Crew“ vom Steglitzer TK aus Berlin mit 2:4; unsere Torschützen Nicolai & Andreas; gegen Polo Gigants aus Hamburg mit 0:1 und gegen Die Keulen vom Rheydter Spielverein mit 1:3; unser Torschütze Nicolai. Auf Naturrasen ging das Spiel gegen die Bierkids, eine bayrische Reisemannschaft mit dem Kini Ludwig II als Patron, mit 1:2 verloren, unser Torschütze wieder Nicolai, gegen Dubai, englische Hockeyspieler, die tatsächlich aus den arabischen Emiraten kamen, ertrotzten wir ein 1:2, diesmal traf Hennes nach etlichen Versuchen (knapp daneben ist auch daneben) endlich einmal (5) voll ins Schwarze! Wie gesagt, gegen den UHC Hamburg gelang dann zum Schluss mit Nicolais Tor ein versöhnliches 1:1 Unentschieden. Damit können wir leben! (6)

Matthias Marsch

  1. Und Alle: „Ein Prosit, ein Prooosit der Gemüüütlichkeit“ – „Oans, zwoa g’suffa“.
  2. Aus dem Musikanten-Stadl: „I will survive“ – „Das ist Wahnsinn – Hölle, Hölle, Hölle!“
  3. Kinder und Heranwachsende in Relation zu unserem Alter.
  4. Natürlich blieb auch der Torwart von der Rotation verschont, er steht ja sowieso nur Cognac (© Heinz Erhardt). Im Ernst, er war es, der uns im Spiel hielt!
  5. Hier ging erstmals Strategie 2 halbwegs auf! In Dubai gibt es halt nur Sand. Oder spielen die dort auf Naturrasen in der klimatisierten Halle? Könnte ja sein, wenn sie da sogar Schi fahren.
  6. Wir nutzten den Frühbucher-Rabatt und meldeten gleich für´s nächste Turnier. Aber dann fahren wir mit der Bahn, denn zurück brauchten wir auf der A9/A3 trotz des ultimativen Navi Tests über sechs Stunden Fahrzeit wegen der „Dauer“-Baustelle Würzburg/Kist.