Neues Turnier: Hockey bei den Beduinen

Schon mal etwas von Mhamid al-Ghizlane gehört? Nein? Dem können wir abhelfen. In diesem Ort in Marokko findet alljährlich ein Nomadenfestival statt, bei dem auch Hockey gespielt wird (oder das, was man dort dafür hält):

Das Schlägermaterial zeigt noch "room for improvement"!
Das Schlägermaterial zeigt noch „room for improvement“!

Matthias, unser Koronarsportler, schreibt dazu:

„Wir sollten mal versuchen, bei diesem Hockey-Turnier teilzunehmen. Unsere ‚Colours’ würden wirklich gut passen, und das bisschen Sand und Hitze können wir auch noch ab! Also, die Michelin-Sandreifen aufgeschnallt, denn Allrad eingelegt und ab geht’s durch die Wüste. Die Gegend kenne ich schon und gute Karten habe ich auch noch. Und die paar Islamisten, was soll’s, müssen wir halt fünf Mal am Tag beten.

Inschallah Matthias”

Falls uns also Ludwigsburg, München, Villingen etc. zu langweilig werden: Es warten noch echte Herausforderungen!

1. Herren des HCH sind wieder am Ball

Der 18. November 2012 darf gerne in die Geschichte eingehen – zumindest in die Club-Geschichte des HC Bad Homburg. Nach Jahren der Abwesenheit gibt es wieder eine 1. Herren-Mannschaft!

Über die Notwendigkeit, den Erwachsenenbereich wieder aufzubauen, ist in den letzten Jahren viel gesprochen worden. Seitens der Senioren haben wir stets betont, dass an einer 1. Herren und 1. Damen auf Dauer kein Weg vorbeiführt, wenn den vielen Kindern und Jugendlichen mittelfristig eine Perspektive im HCH (!) geboten werden soll. Die Kanzlerin würde diesen Weg „alternativlos” nennen – womit sie ausnahmsweise einmal Recht hätte.

Der gestrige Auftakt in die Punktspielrunde der Hallensaison lässt hoffen. Mit zwei deutlichen Siegen – 8:1 gegen TGS Vorwärts Frankfurt (was die Schiedsrichter fälschlicherweise als 7:1 werteten) und 9:1 gegen DHC Wiesbaden – konnten die ersten sechs Punkte eingefahren werden.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben”, heißt es in Hermann Hesses bekanntem Gedicht „Stufen”. Wollen wir hoffen, dass uns dieser Zauber weiter begleitet,  und wir die „Stufen” weiter nach oben klettern.

Den Anfang machten:

1. Herren des Hockey-Club Bad Homburg, November 2012
Gruppenbild mit Fan: Hennes Jednat, Martin Schmitz-Manseck, Nicolai Hammersen, Philipp Cordt, Mark Müller-Jökel, Lukas Fuchs (hinten von links); Schmitz-Manseck jun., Tim Ulrich, Bernhard Colsman, Hendrik Neumann, Jakob Bub (vorne von links); Torwart Nils Kruse

Die Clubjacke – Eine Betrachtung über Sinn und Zweck sowie zur Historie eines Kleidungsstücks

Wozu eigentlich eine Clubjacke? Das wird sich der eine oder andere unter uns vielleicht gefragt haben, als er gestern erstmals den neuen Blazer in den HCH-Farben angezogen hat (by the way: ein Punkt weniger auf Harders Liste). Auf der Suche nach einer Antwort muß man sich mit den Hauptmechanismen der Mode beschäftigen. Über sie hat der Soziologe und Kulturanthropologe René König 1985 mit seinem Buch „Menschheit auf dem Laufsteg – Die Mode im Zivilisationsprozeß“ eine einschlägige Untersuchung vorgelegt.

Nicht alle, aber einige: Die HCH-Senioren in neuer Clubjacke, September 2010

Zu den wichtigen Funktionen der Mode gehört nach König das Wiedererkennen. Schon die primitivsten Gruppen hätten die Neigung, ihre äußere

A. Dürer: Bauern auf dem Markt (1512)

Gesamterscheinung einigermaßen einheitlich auszubilden. Dem Gefühl der inneren Verbundenheit entspreche dann auch das äußere Gehaben. „Die Standeskleidung“, so König, „ist das sinnfälligste Beispiel für die Wiedererkennungsfunktion der Mode, die dafür sorgt, daß sich ein Gefühl der inneren Verbundenheit einer sozialen Gruppe jenseits der gemeinsamen Sprache, gemeinsamer Traditionen, Ideen und Wertvorstellungen ausbildet.“ Frühe Beispiele hierfür finden sich in den hier abgebildeten Kupferstichen von Albrecht Dürer und Daniel Hopfer. Die Mitglieder ein und derselben Gruppe vermögen es, erläutert König, sich an ihrer einigermaßen ähnlichen äußeren Erscheinung wiederzuerkennen. „Als Extrem finden wir hier die Uniform (…), aber auch sonst extrem gleichförmige Kleidung bei Angehörigen bestimmter Orden, Assoziationen, Vereinigungen

D. Hopfer: Drei Landsknechte (um 1526-1536)

usf.“ Dabei sei „radikale Uniformität“ unverhältnismäßig selten; auch die Einheitlichkeit der Kleidung gehe nicht sehr weit. Zumeist genüge es, daß die allgemeinen Linien eingehalten werden, innerhalb derer dem einzelnen ein gewisser Spielraum gegönnt ist, ohne daß darum die Wiedererkennungsfunktion beeinträchtigt würde.

Zusammengefaßt: Die Wiederkennungsfunktion der Clubjacke sorgt für ein Gefühl der inneren Verbundenheit der Assoziation oder Vereinigung „HCH-Senioren“. Das hätten wir also geklärt. Nach dieser kulturgeschichtlich-soziologischen Betrachtung genügt ein kurzer Blick in die Geschichte des Hockey-Sports, um sich zu vergegenwärtigen, daß Clubjacken früher gang und gäbe waren. Wir tun also nichts anderes, als an eine Tradition anzuknüpfen, die leider unter die Räder gekommen ist. Oder möchte vielleicht jemand behaupten, der mannschaftliche Auftritt im Trainingsanzug sähe besser als der in einer Clubjacke?

Die Clubjacken waren mal gestreift, mal farbig eingefaßt. Ein Beispiel für die eher dezente gestreifte Variante zeigt eine Aufnahme der 1. Herren des

Harvestehuder THC, 1. Herren, 1927

Harvestehuder THC aus dem Jahr 1927 „in ihren neuen Clubjacken – schwarz, mit feinen gelben Streifen“, wie die Clubchronik zu berichten weiß. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts entschied man sich dann für das

Harvestehuder THC, 1. Herren, 1934

eingefaßte Modell. Die Aufnahme zeigt wiederum die 1. Hockey-Herren des HTHC 1934 vor einem Spiel gegen Rot-Weiß Köln. Gelegentlich konnten Clubjacken in früherer Zeit ein Mittel der psychologischen Kampfführung sein.

Ernst Rudolf „Bulle“ Gossler, HTHC, 1925

Zu dem Bild von Ernst Rudolf „Bulle“ Gossler schreibt die HTHC-Chronik: „Auf seiner HTHC-Clubjacke der Reichsadler als Zeichen des Nationalspielers. Sie wurden damals in Hockeykreisen ‚Adlerträger’ genannt. Dazu das Verbandsabzeichen des Norddeutschen Hockeyverbands als Repräsentativspieler. Damit sollte der Gegner beeindruckt werden, ‚dessen Mut erheblich sank, wenn mehrere solcher Clubjacken-Träger mitspielten’!“

Dass Clubjacken nicht eine Marotte spleeniger Hanseaten waren, dokumentiert beispielsweise eine weitere Aufnahme. Sie zeigt die 1. Herrenmannschaft des Akademischen Sportvereins Dresden im November 1910. Auch die Dresdner

Akademischer Sportverein Dresden, 1. Herren, 1910

Herren trugen eine Clubjacke, einige von ihnen mit dem Kürzel „A.S.C.“ (für Akademischer Sportclub, einem Vorläufer des ASV) und dem Gründungsjahr „1906“ auf der Brust.

Natürlich ließen sich aus vielen anderen Hockeyclubs ähnliche Bilder liefern. In den Traditionsclubs war es sozusagen vollkommen normal, eine Clubjacke zu tragen. Daran ist heute zu erinnern, vor allem wenn der eine oder andere Zweifel hegt, ob das Tragen einer Clubjacke nicht doch ein wenig übertrieben ist – in der heutigen Zeit. Keineswegs, ihr Ungläubigen! Und was ist schon eine Clubjacke gegen den Aufzug der Hockeyspieler um 1900?

Dazu ein letztes Beispiel: Im November 1900 lud eine Mixed-Elf des 1. Hamburger Hockey-Clubs (der erste offizielle Verein in Deutschland) eine ebenfalls gemischte Mannschaft des Berliner Hockey- und Radpolo-Clubs zu einem Spiel nach Hamburg ein. Es gilt als der erste interurbane Hockey-Wettkampf in Deutschland. Die Hamburger waren nicht schlecht erstaunt, als ihre Berliner Gäste im gleichfarbigen „Sportdress“

Hockey im Cut und Glockenrock: 1. Hamburger Hockey-Club, Mixed, 1900

antraten. Sie selbst hatten noch großes Gewand angelegt: Die sechs Herren mit Cut und Lackschuhen, die fünf Damen in fußlangen Glockenröcken und mit Krawatte. Dazu war die Hamburger Mannschaft mit rot-weißen Schärpen geschmückt. Das sah zwar gut aus, erwies sich aber womöglich als etwas unzweckmäßig – die Berliner siegten mit 4:0.

Ach übrigens: Es glaube keiner, mit dem Tragen der Clubjacke sei sein „Dienst“ für den HCH schon ausreichend geleistet. Als Mahnung hier ein Auszug aus der Clubzeitung des Harvestehuder THC vom März 1936: „Die Mitgliedschaft im HTHC gibt nicht in erster Linie das Recht, in meterlangen Schals in den Clubfarben und pompösen Clubjacken herumzulaufen und im übrigen eine trostlose Figur zu machen, sondern zunächst die Pflicht, sich für die Interessen des Clubs – die Eure eigenen sind – restlos einzusetzen.“ Halten wir uns daran – allerdings könnten wir schon noch einen Schal gebrauchen…

Quellen:

König, René: Menschheit auf dem Laufsteg. Die Mode im Zivilisationsprozeß, Frankfurt/M.-Berlin: Ullstein 1988

Chronik des Harvestehuder Tennis- und Hockey-Clubs 1891-1991, Hamburg 1991

1910-2010 – 100 Jahre ASV, München 2010

Von Henley lernen!

Auf die berühmte Henley Royal Regatta hatten wir schon einmal Bezug genommen: in dem wegweisenden Beitrag „Harders Liste”. In ihrer Ausgabe vom 15. Juli 2010 widmete nun die F.A.Z. diesem traditionsreichen Ruderwettbewerb eine launige Betrachtung.

Was in Ascot die Royal Enclosure ist, ist in Henley die Stewards’ Enclosure (siehe Photos). Zutritt nur für Mitglieder und deren Gäste! Und selbstverständlich nicht in irgendeiner Aufmachung: „Am Eingang stehen Herren in schwarzem Anzug und Melone und überprüfen den Dresscode der Gäste. Ihr Kopfschütteln ist dezent und höflich, ihr Nein unumstößlich.

Stewards' Enclosure

Es wird darum gebeten, sich ‚in Übereinstimmung mit der bewährten Tradition’ zu kleiden, heißt es in der Einladung (und die währt immerhin schon seit 1839; N.H.). Das bedeutet: knielange Kleider für die Damen, kein Jeansstoff. Die Herren tragen Schlips und Jackett. Nur dreimal in den vergangenen einhunderteinundsiebzig Jahren wurde ihnen gestattet, das Jackett abzulegen. Damals kletterte das Thermometer auf über dreiunddreißig Grad.” In Zeiten, in denen die halbe Welt bei wärmeren Temperaturen so rumläuft, als sei sie gerade auf dem Weg ins Schwimmbad oder an den Strand, freut man sich doch über solche Residuen von Stil.

Keine Frage: Wir sind mit unserem Club Jacket genau auf dem richtigen Weg. Man beachte nur die rot gewandeten Jungs vor der Fawley Bar! Ob wir es allerdings so halten wollen, wie Callum Macpherson und andere, sei dahingestellt. Von ihm weiß die F.A.Z. zu berichten, er trage „ein abgeranztes Jackett und eine mit Flecken übersäte Hose. (…) Er trage den Blazer schon seit 1996, erklärt er stolz und nimmt einen großen Schluck aus seinem Pint. Jeder Fleck erzähle die Geschichte eines feuchtfröhlichen Gelages. Ein alter Herr mit weißem Bart, der ein paar Stühle weiter sitzt und ein Schälchen frische Erdbeeren genießt, lächelt. ‚Good boy’, kommentiert er. Sechsundachtzig Jahre sei er alt und sammele auf seinem Jackett schon seit dem Jahr 1948 Flecken, Brand- und Mottenlöcher. Noblesse oblige.” Wir sind gespannt, wie lange unsere Jackets halten…

Neben dem sicher etwas spleenigen Umgang britischer Gentleman mit abgetragenen Jackets sollten wir uns noch ein weiteres Detail der Henley Royal Regatta zu Herzen nehmen. In der Stewards’ Enclosure trinkt man natürlich nicht irgend etwas, sondern Pimm’s. Ein legendäres Getränk. Wer noch nie Pimm’s No. 1 Cup mit einer Orangen- (oder Zitronen-) und einer Gurkenscheibe, einem Blatt Minze, aufgefüllt mit 7-up (zur Not Sprite) getrunken hat, ist wirklich nur zu bedauern. Ein Getränk, das der HCH-Senioren würdig ist.

Und was sehen wir am Ende auch hier: „Harders Liste” wird lang und länger. Quod errat demonstrandum.

Der HCH-Senioren Hockey-Playground

Wo man hinsieht: Room for Improvement. Mit „Harders Liste” haben wir einen ersten Überblick über die Agenda gegeben. Die aber wächst und wächst. Stichwort: Hockeyplatz. Heutige Kunstrasenplätze sind nicht gerade für ihre ästhetischen Reize bekannt. Dabei geht es auch ganz anders, wie dieser kurze Film von den Olympischen Spielen in Rom 1960 (Polen vs. Pakistan) zeigt:

Das Filmmaterial ist zwar nicht brilliant, die Stadiongestaltung aber gut zu erkennen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen: Der HCH-Senioren Hockey-Playground umringt von Statuen der Hockey-Heroen – mindestens in Lebensgröße. Vielleicht besser überlebensgroß, sonst könnte man Hennes übersehen.